Flug: CO2 Kompensation

Airbus A 320 der Turkish Airlines am Flughafen Stuttgart
Der erste Flug von Stuttgart nach Istanbul

Ich bin von Stuttgart über Istanbul nach Bangkok geflogen und wieder zurück. Ein tolles Land, ich habe viele neue Eindrücke und Erkenntnisse gesammelt.

Z.B. misst man in Bangkok den Feinstaub in PM 2,5 während wir in Stuttgart noch nach PM 10 messen. 50 Messstationen in Bangkok stehen 3 in Stuttgart gegenüber. Ok, Bangkok hat ungefähr 13 Mal mehr Einwohner. Aber ein bisschen mehr und genauer messen könnten wir in Baden- Württemberg trotzdem. Wir haben ja auch ungefähr das 3 fache Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner. Aber grad ist ja keine Feinstaubsaison.

Die übliche CO2 Kompensation

Im Internet findet man viel Rat, wie man seine Flugreisen kompensieren kann. Als erstes habe ich grob den Ratgeber vom Umweltbundesamt überfolgen, der sich auf 44 Seiten detailliert mit dem Thema auseinander setzt. Das beste Angebot, meinen CO2 Ausstoß zu kompensieren fand ich nach kurzer Recherche bei: myclimate.org. Kurz meine Flugroute eingegeben, die VISA Karte zum Zahlen gezückt, und „Zack“ habe ich für 130 € den CO2 Ausstoß meines Fluges mit Projekten in Schwellenländern kompensiert. Per E-Mail erhielt ich sofort die Bestätigung und einen Link zum Angeben gab’s kostenlos obendrauf.

Die komplizierte CO2 Kompensation

Schon länger trug ich mich mit dem Gedanken ein paar CO2 Zertifikate zu erstehen, diese in meinem Depot vergammeln zu lassen und einfach mal schauen was passiert. Nachdem es mir als Privatperson nicht möglich ist diese einfach an der Leipziger Strombörse zu kaufen, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. Also habe ich mir eine ordentlich Menge an Index Zertifikaten auf den European Emission Allowances Future eingedeckt. Da der Spaß ordentlich Transaktionsgebühren bei meiner Bank gekostet hat, habe ich gleich mal ein „paar Tonnen mehr CO2 Emissionsrechte“* genommen. Aktuell hat mich das den stolzen Preis von um die 23 € pro t CO2 gekostet. Wären für die rund 5,6 t CO2 meines Fluges auch ca. 130 € gewesen.

*Ja, ich weiß: Das ist ein strukturiertes Finanzprodukt und kein Emissionsrecht…

Ist das jetzt so wie CO2 Steuer vs. Zertifkatehandel?

Schwer zu sagen. Ist vielleicht ganz sinnvoll, dass man als Privatperson nicht seine CO2 Emissionsrechte an einer Börse erstehen muss. Das würde viele Fragen aufwerfen: Wie lang gilt mein CO2 Emissionsrecht? Wann verfällt es? Wie rechne ich es ab? Ist daher schon sinnvoll, dass die Bank es in ein Open End Zertifikat verpackt, das von alleine rollt. Ich muss mich so um nix kümmern, außer von Zeit zu Zeit mal reinschauen, was denn der CO2 Preis so macht. Sollte er stark ansteigen könnte ich wieder ein bißchen was verkaufen. Für den Gewinn müsste ich dann Abgeltungssteuer, Kirchensteuer und wahrscheinlich auch Solidaritätszuschlag zahlen.

Im anderen Fall hat der Kompensationsanbieter einfach einen Preis für die CO2 Kompensation festgelegt. Ok, der jetztige war echt günstig. Ich habe auch schon für einen tollen Bananenbaum, der vielleicht 10 kg CO2 bindet um die 20 € gezahlt. Und es hätte auch noch diverse Anbieter mit anderen CO2 Preisen gegeben. Schau einer an auch hier gibt es eine Art Wettbewerb, wenn man einen Baum kaufen mag kann man das tun, oder eben das Kompensationsangebot auswählen, das einem zusagt. Netterweise darf man die Kompensationszahlung in der Steuererklärung unter Spenden angeben. Also dürfte ich von den 130 € den ein oder anderen Euro zurückbekommen.

Die ziemlich witzlose CO2– Steuer, die wir als getarnten Zertifikatehandel einführen, fließt wohl dem Bundeshaushalt zu. Davon hat die Umwelt nix, nur der Finanzminister. Zumindest habe ich bis heute nichts davon gehört, dass mit den Steuereinnahme auch CO2 kompensiert werden soll.

Ich würde mir wünschen, dass auch Privatpersonen sinnvoll am CO2– Emissionshandel partizipieren können. Die vielen Möglichkeiten der CO2 Kompensation finde ich toll, auch den Preiswettbewerb der einzelnen Anbieter. Wie man auf die Idee kommt eine CO2 Steuer einführen zu wollen erschließt sich mir aber mal gar nicht. Der „Staat“ ist doch schon mit dem Bauen eines Flughafens überfordert. Wenns schon mit der Infrastruktur nicht mehr klappt, dann schaffen es unsere Beamten ganz bestimmt den Klimawandel in die richtigen Bahnen zu lenken.

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